Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen – was tun?

8. April 2020 von Andrea Meyer

Die Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose ist die wohl häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen. Wir zeigen Ihnen auf, woran man sie erkennt und was man Gutes tun kann.

Warum ist die Schilddrüse so wichtig?

Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine Hormondrüse im Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes. Sie liegt an der Luftröhre und ist im Normalfall nicht tastbar.

Als Hormondrüse übernimmt die Thyroidea wichtige und lebensnotwendige Funktionen im Stoffwechsel von Tieren und Menschen. Sie ist unter anderem verantwortlich für die Bildung und Speicherung von Jod, Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3) und Calcitonin, ein Peptidhormon, welches im Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.

Die genannten Hormone beeinflussen jede Zelle im Körper und somit den gesamten Stoffwechsel. Ein Mangel oder ein Überschuss kann demzufolge zu schwerwiegenden und sehr vielfältigen Symptomen führen.

Bei frühzeitiger Diagnose ist sie gut behandelbar. Wird sie hingegen nicht rechtzeitig erkannt, können vielfältige Folgeerkrankungen resultieren.

Wie kann ich erkennen, wenn meine Katze an einer Hyperthyreose leidet?

Bei einer Überfunktion handelt es sich in den meisten Fällen um eine gutartige Vergrösserung der Drüse, die der Besitzer oft selbst ertasten kann. Ist das nicht der Fall, können Sie die Krankheit an den folgenden Symptomen erkennen.

Es sind häufig ältere Katzen betroffen (ab ca. 8 Jahren). Typischerweise zeigen diese Katzen einen fast unstillbaren Hunger, was unweigerlich zu grossen Kotmengen führt. Trotz den Unmengen, die sie fressen, nehmen sie ab, sind dünn und struppig und machen einen ungesunden Gesamteindruck. Der gesamte Stoffwechsel läuft auf Hochtouren.

Das Verhalten ändert sich von Lethargie bis Hyperaktivität. Auffallend ist auch eine Muskelschwäche. Der Tierarzt stellt oft eine Masse am Hals, ein Herzgeräusch und eine erhöhte Herzfrequenz fest.

Ähnliche Symptome zeigen sich auch bei anderen Erkrankungen. Darum sollte bei einer älteren Katze mit einem solchen Erscheinungsbild auch an Diabetes mellitus oder eine Niereninsuffizienz gedacht werden.

Typische Symptome – kurz zusammengefasst:

  • Extremer Hunger, der sich mit Phasen von Appetitlosigkeit abwechseln kann
  • Riesige Kotmengen
  • Gewichtsverlust
  • Teilweise unstillbarer Durchfall
  • Vermehrtes Trinken
  • Lethargie oder Hyperaktivität

Wie behandelt man eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die gängigste Therapie bei einer Schilddrüsenüberfunktion besteht aus der lebenslangen Gabe von Thyreostatika. Das sind Medikamente, welche die Hormonproduktion hemmt. Diese sind in Form von Tabletten oder einer Salbe, die in die Ohrmuscheln aufgetragen werden kann, erhältlich. In bestimmten Fällen kann die Schilddrüse auch operativ entfernt werden.

Eine weitere Möglichkeit stellt die Radiojod-Therapie dar. Hier wird der Katze radioaktives Jod verabreicht – diese zerstört das Schilddrüsengewebe. Nachteil: die Katze muss dazu eine Zeit lang in einem speziellen Raum isoliert gehalten werden, da sie radioaktiv strahlt. Exkremente müssen als Sondermüll entsorgt werden. Nur dafür geschultes und geschütztes Personal darf sich um die Tiere kümmern.

Weiter wurde jodfreies Futter entwickelt, das in der Theorie auch tatsächlich funktioniert. Praktisch wird es aber schwieriger, da die Katze bis an ihr Lebensende kein anderes Futter erhalten dürfte. Somit ist das jodfreie Futter bei Schilddrüsenüberfunktionen besonders für Freigänger kaum eine Option.
Bei der Nahrungswahl sollt man darauf   achten, dass kein Schlundfleisch verwendet wird. Denn dieses kann Schilddrüsengewebe enthalten und macht die Therapie schwieriger.

Das ganze Sortiment von ANiFiT beinhaltet kein Schlundfleisch und kann somit gut verfüttert werden.

Helfen Homöopathie und Co. Bei der Hyperthyreose?

Komplementäre Methoden wie Homöopathie, Phytotherapie oder Bioresonanz helfen das Wohlbefinden der Katze zu steigern und die Symptome und Begleiterscheinungen zu mildern. Jedoch können sie die Erkrankung oft nur ungenügend beeinflussen und sollten daher immer ergänzend zur Schulmedizin, nicht als alleinige Therapie, eingesetzt werden.

Komplikationen und Prognose

Nicht selten verdeckt eine Schilddrüsenüberfunktion eine chronische Niereninsuffizienz. Katzen mit einer Hyperthyreose trinken vermehrt, was den Nieren zugutekommt. Wird die Katze nun behandelt, reduziert sich auch die Trinkmenge, was eine Niereninsuffizienz sichtbar werden lässt. Daher sollten bei einer Verlaufskontrolle auch die Nieren überprüft werden, auch wenn diese beim ersten Blutbild keine Auffälligkeiten zeigten.

Eine weitere Komplikation besteht im Erblinden. Schilddrüsenüberfunktion sowie Niereninsuffizienz können zu Bluthochdruck führen. Zeigt die Katze plötzlich weite, offene Pupillen oder läuft gegen Gegenstände, sollte möglichst rasch ein Tierarzt aufgesucht werden.

Die Lebensqualität einer korrekt eingestellten Katze ist gut. Regelmässige Blutkontrollen sind wichtig. Ebenso sollte das Verhalten der Katze gut beobachtet werden (Trink-, Futtermengen, plötzliches Zurückziehen, in Objekte laufen etc.).

Oftmals werden diese Katzen wählerisch, was die Nahrung anbelangt. Gute, gesunde Nahrung, wenn möglich Feuchtnahrung, trägt viel zur guten Lebensqualität bei.

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